Abschiebung.

Mit Glatze, Lederjacke
Wütender Fratze (und ‘ner leichten Macke)
sitzt Ronny in der Küche.
Er isst sein Leberwurstbrot, ließt Zeitung und schreit Flüche.
Die Mannschaft, der sein Herz gehört, hat beim Spiel verkackt.
Das geschieht bestimmt nur dann, wenn er’s nicht dahin packt.

Und das ist nicht das Einzige, was den Ronny stört.
Letztens, in der Kneipe, hat er noch etwas gehört.
Seit November wohnt da nämlich nebenan im Nachbarhaus ein Neuer.
Und Ronny war beim Hund Ausführen schon der Name nicht geheuer.
Zu schwer zu merken, dieser Name, der’s Ronny auch egal.
Nur leider kommt der Nachbar eben nicht aus Wuppertal.
Zu fremdländisch erschien ihm dieser Name,
und letztens auf der Straße war da diese Dame,
die, sagen wir’s galant,
fast komplett unter einem Tuch verschwand.
Ronny kennt sich aus mit Mode und weiß darum genau,
das hatte nichts mit Stil zu tun, bei dieser einen Frau.

Am Stammtisch hieß es weiterhin, die glauben nicht an Gott,
dafür, das weiß der Ronny, gehör’n die auf’s Schafott!
Denn jedem ist doch völlig klar,
nur Ronnys Religion ist wahr!
Und wenn man schon in Deutschland lebt,
man brav deutsche Traditionen pflegt.
Sonntags geht es in die Kirche, um Predigten zu hören.
Da darf man Ronny wenigstens nicht beim Schönheitsschläfchen stören.
Und andre Religionen? Pfui! Das ist alles Abschaum.
Die wünschen sich doch alle nur Verhüllung unsrer Frau’n!

Das geht nicht, denkt sich Ronny da.
Und steht vom Frühstück auf.
Hier war’s doch mal so wunderbar,
und beschleunigt seinen Lauf.
Er gründet einen neuen Kult:
“Die Ausländer sind schuld!”

Und hat mal wieder ganz gepflogen,
die Schuld von sich nur abgeschoben.

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