Das Bahn-Zeit-Paradoxon

Dass Bahnen nur in einem Paralleluniversum existieren, ist ja allseits bekannt. Wie sonst könnten sie es regelmäßig schaffen, unsere komplette Physik auf den Kopf zu stellen und dabei 100%ig unschuldig zu wirken. Ich möchte hier mal auf ein Phänomen eingehen, welches nur bei Bahnen zu beobachten ist. Die Zeit in Relation zu Bahnen als öffentliches Verkehrsmittel t(DB).
Denn scheinbar folgt die Bahn nicht nur anderen physikalischen Gesetzen, sondern definiert auch Zeiteinheiten anders als unsere Gesellschaft. So sind Minuten nicht gleich 60 Sekunden lang, sondern folgen unregelmäßigeren Zeitspannen. Nehmen wir das Beispiel, dass man auf dem Weg zur Haltestelle/Bahnhof ist und die Uhr zeigt an, dass – laut Plan – die Bahn in 5 Minuten kommen sollte. Jeder kennt diese Situation und jeder weiß auch, dass man die Bahn so gut wie nie schafft, maximal kann man ihren Rücklichtern winken.
Was viele dabei nämlich außer Acht lassen, ist, dass es sich dabei um 5 Menschenminuten handelt. Die Bahn rechnet in ihren eigenen Einheiten, den sogenannten „Einigen Minuten“ (minE).
Diese sind für den Durchschnittsmenschen nicht zu begreifen und ich werde mich an dieser Stelle nicht darin verlieren, sie zu erklären.
Ein anderes Beispiel ist nun, wenn man an der Haltestelle steht und auf seine Bahn wartet. Laut Aushangplan kommt diese ebenfalls in 5 Minuten. Doch auch hier darf man sich nicht täuschen lassen. Nicht selten passiert es, dass 5 einige Minuten einer halben Menschenstunde entsprechen. Das sollte man bedenken, bevor man auf die Bahn wartet, wenn man doch nur zwei Haltestellen fahren möchte. Falls nun der Fall eintritt, dass ein Bus in 3 Minuten kommen soll und eine Bahn in 7, so wird die Bahn letztendlich zeitgleich mit dem Bus ankommen. Das hat mit dem Konkurrenzkampf zwischen Bus und Bahn zu tun, welcher durch den jüngsten Fernbushype so sehr entfacht wurde, dass die Bahn regelmäßig streikt, um zu verhindern, dass Busfahrer zu ihren Bussen kommen. Aber ich schweife ab.
Zeit, die man in einer Bahn verbringt, ist auch sehr eigen. Sie kann sich nämlich dehnen und stauchen. Hat man eine 4 Stündige Fahrt vor sich, wird die Zeit extra langsam vergehen und die Bahn wird Umwege über Bielefeld, Buxte (bei Hude) und direkt durch das Bernsteinzimmer machen. Wenn der Zielbahnhof aber nur noch wenige Minuten entfernt ist, wird die Bahn versuchen, einen zum Einschlafen zu bringen oder den Bahnhof in Lichtgeschwindigkeit durchfahren. Jeweils mit dem Ziel, den Ausstieg zu verpassen und dem Passagier damit einen längeren Aufenthalt in den klimatisierten und gut beheizten Luxusabteilen der Deutschen Bahn zu bescheren. Ist das nicht nett von ihr?
Bei der Bahn gilt eben nach wie vor: Das Leben in vollen Zügen genießen.